Montreux VD: 250'000 Besucher feiern 60. Jazz Festival – weniger Diebstähle

Das 60. Montreux Jazz Festival (MJF) ist am Sonntagmorgen, 19. Juli 2026, nach 16 Tagen gemeinsamer musikalischer Euphorie zu Ende gegangen. Mehr als 250’000 Menschen feierten in einer festlichen Atmosphäre. Diese Ausgabe markierte die Rückkehr des Festivals in das 2M2C.

Im Vergleich zum Vorjahr registrierte die Polizei weniger Diebstähle und Schlägereien. Die Massnahmen im Bereich der städtischen Mediation wurden beibehalten. Die verstärkte Sicherheitspräsenz ermöglichte es den Festivalbesuchern, die 60. Ausgabe in einem geselligen Umfeld zu feiern.

Anlässlich der 60. Ausgabe des MJF hielt die Polizei wie in den vergangenen Jahren an einem koordinierten Sicherheitsdispositiv mit allen beteiligten Partnern fest. Geleitet wurde dieses vom Einsatz- und Koordinationszentrum (CECo) in den Räumlichkeiten der Police Riviera in Clarens.

Die verschiedenen Sicherheitspartner arbeiteten eng zusammen. Beteiligt waren:

  • Police Riviera
  • Kantonspolizei Waadt
  • Transportpolizei
  • SDIS Riviera
  • Zivilschutz Riviera
  • Sanitätsdienste
  • Organisatoren des MJFSecuritas
  • Verschiedene kommunale Dienste

Das Justizdetachement bestand aus Mitarbeitern der Sicherheitspolizei und der Gendarmerie. Zudem war täglich ein Polizeihilfe-Detachement auf dem Veranstaltungsgelände präsent. Dieses bestand aus Polizisten, die für Einsätze gegen Personen zuständig waren, die Straftaten begingen.

In diesem Jahr erstreckte sich der Einsatzbereich zwischen den kostenlosen Bühnen El Mundo und Super Bock Stage. Damit war das Gebiet grösser als bei den Ausgaben 2023 und davor.

Die üblichen Engpässe nahmen dennoch ab. Dazu trugen die grosse Kapazität des 2M2C, die über die gesamte Breite verfügbare Quai de Vernex vor dem 2M2C sowie die zeitweise Sperrung der Avenue Claude-Nobs für den Fahrzeugverkehr während der Nacht bei.

Die Ordnungskräfte erlebten insgesamt ein gut kontrolliertes Festival. Es mussten keine Situationen bewältigt werden, die über die üblichen Störungen der öffentlichen Ordnung hinausgingen. Dazu gehörten insbesondere Spannungen und Schlägereien, die üblicherweise in der zweiten Nachthälfte auftreten.

Die eingerichteten Sicherheitsdispositive ermöglichten bei jedem Ereignis ein schnelles und koordiniertes Eingreifen der verschiedenen Polizeikräfte und des privaten Sicherheitsdienstes der Veranstaltung.

Police Riviera

Das wilde Parkieren im Stadtzentrum wurde durch Motorradpatrouillen und Assistenten der öffentlichen Sicherheit (ASP) der Police Riviera kontrolliert. Diese Aufgabe war besonders wichtig, um die Durchfahrt der Rettungsfahrzeuge und die Sicherheit der zahlreichen Fussgänger im Stadtzentrum zu gewährleisten.

Der Zivilschutz Riviera–Pays-d’Enhaut spielte während der beiden Festivalwochen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Verkehrsregelung.

Die Zahlen der Police Riviera:

  • 2’598 Ordnungsbussen
  • 10 abgeschleppte und sichergestellte Fahrzeuge
  • 4 Strafanzeigen
  • 113 Fundgegenstände
  • 5 Anzeigen wegen Lärmbelästigung
  • 5 Diebstähle
  • 25 Schlägereien beziehungsweise Fälle von Trunkenheit
  • 12 Personen in Polizeigewahrsam
  • 4 tätliche Angriffe
  • 5 Betäubungsmittelfälle
  • 10 sichergestellte Stichwaffen
  • 157 durchgeführte Identitätskontrollen

Kantonspolizei Waadt

Die Bilanz der Veranstaltung kann als gut bezeichnet werden, auch wenn möglicherweise noch nicht sämtliche auf dem Festivalgelände begangenen Straftaten bekannt sind. Das Festival verlief in einer überwiegend festlichen und eher ruhigen Atmosphäre.

Die Einsatzstrategie während der Veranstaltung zielte darauf ab, Situationen zu beruhigen, statt Sanktionen auszusprechen. An dieser als angemessen beurteilten Vorgehensweise wurde festgehalten.

In der Sanitätsstation wurden einige Fälle von mutmasslichen Nadelstichen festgestellt. Die Betroffenen konnten sich in ein Spital begeben und Anzeige erstatten. Davon machten letztlich nur wenige Personen Gebrauch. Bislang wollte niemand den Vorfall strafrechtlich weiterverfolgen lassen.

An den meisten Abenden wurde das Detachement der Kriminalpolizei mehrmals für unterschiedlich aufwendige Einsätze aufgeboten. Zudem unterstützte es die Sicherheitspartner Police Riviera und Securitas. Der Personalbestand erwies sich als ausreichend, um die gemeldeten Ereignisse zu bewältigen.

In diesem Jahr wurde eine Zunahme der durch den Veranstalter eingereichten Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs festgestellt. Diese standen im Zusammenhang mit der Missachtung von insgesamt 35 ausgesprochenen Geländeverboten. Betroffen waren Personen, deren Verhalten eine Wegweisung erforderlich gemacht hatte oder die innerhalb des abgegrenzten Festivalgeländes Straftaten begangen hatten.

Die Zahl der Fälle von Gewalt gegen Beamte ging zurück. Dies dürfte insbesondere auf den systematischen Einsatz von Patrouillen mit mindestens drei bis vier Personen zurückzuführen sein.

Festgestellt wurden zudem:

  • Eine Zunahme der Verstösse gegen das Waffengesetz
  • Eine Zunahme der Sexualdelikte
  • Eine höhere Zahl bearbeiteter Betäubungsmittelfälle
  • Vier gemeldete Fälle mutmasslicher Nadelstiche

Die Polizei stellte folgende Betäubungsmittel sicher:

  • 20,5 Gramm Kokain
  • 3 Dosen Ecstasy
  • 3,3 Gramm Amphetamine
  • 16,2 Gramm Haschisch und Marihuana

Transportpolizei (TPO)

Die Transportpolizei intervenierte in folgenden Fällen:

  • 5 entschärfte Schlägereien
  • 2 verbale Angriffe gegen SBB-Mitarbeiter in Zügen am Bahnhof Montreux
  • 1 Anzeige wegen eines Verstosses gegen das Waffengesetz mit einer täuschend echt aussehenden Waffe
  • 15 Anzeigen wegen des Überquerens der Gleise am Bahnhof Montreux
  • 2 Anzeigen wegen Verstössen gegen die Bahnhofsordnung
  • 2 medizinische Hilfeleistungen wegen Trunkenheit

Securitas

Securitas war während der gesamten Veranstaltung präsent und intervenierte in 247 Fällen:

  • 113 medizinische Fälle
  • 76 Fälle leichter Gewalt
  • 18 Fälle von Identitätsmissbrauch
  • 6 Entstehungsbrände
  • 3 Fälle mutmasslicher Nadelstiche
  • 17 Stichwaffen
  • 14 Fälle im Zusammenhang mit dem Konsum von Betäubungsmitteln

Städtische Mediation

Anlässlich der Ausgabe 2026 des Montreux Jazz Festivals führte die Gemeinde Montreux ihr Dispositiv zur städtischen Mediation in Zusammenarbeit mit dem Festival fort.

Das Angebot war jeden Abend von 22.00 Uhr bis 05.30 Uhr auf dem Festivalgelände und in dessen Umgebung aktiv. Es sollte Risiken im Zusammenhang mit dem festlichen Umfeld vorbeugen, das Zusammenleben im öffentlichen Raum fördern und während der gesamten Nacht eine unterstützende Präsenz bieten.

Das für diese Ausgabe verstärkte Dispositiv verteilte mehr als 15’500 Wasserflaschen mit Botschaften zur Prävention und Risikoverminderung. Dies erleichterte die Kontaktaufnahme mit den Festivalbesuchern.

Die Zusammenarbeit mit der Fondation AACTS wurde ebenfalls fortgeführt, um die Präsenz vor Ort an Freitag- und Samstagabenden zu verstärken. Das beim Publikum gut bekannte Angebot wurde erneut für seinen Nutzen und seine Nähe zu den Besuchern gelobt.

Die Interventionen bei stark alkoholisierten Personen blieben relativ begrenzt. Auch die Zahl der Schlägereien scheint zurückgegangen zu sein.

Mobilität

Die Ausgabe 2026 verlief in einer ruhigen Atmosphäre. Trotz einiger Zeiten mit grossem Besucherandrang erfüllte das Mobilitätsdispositiv die Erwartungen vollständig. Der Verkehr blieb insgesamt flüssig.

Die grosse Mehrheit der Festivalbesucher nutzte öffentliche Verkehrsmittel oder umweltfreundliche Fortbewegungsmittel.

Hervorzuheben ist die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen sämtlichen beteiligten Partnern. Der Zivilschutz übernahm die Verkehrsregelung an den Kreuzungen. Securitas war für die Strassensperrungen, die Sicherung sensibler Fussgängerübergänge und den Schutz der Parkhäuser zuständig. Diese Massnahmen trugen wesentlich zum Erfolg des Dispositivs bei.

Dank der angepassten und schnellen Einsatzführung der Police Riviera konnten die Mobilitätsmassnahmen während der gesamten Veranstaltung wirksam umgesetzt werden. Dazu gehörten:

  • Aufstellen und Entfernen der Signalisation
  • Umsetzung der Verkehrsmassnahmen
  • Kontrolle des unerlaubten Parkierens
  • Allgemeine Koordination

Öffentlicher Verkehr

Die Mitarbeiter des öffentlichen Verkehrsunternehmens VMCV SA leisteten 1’344 zusätzliche Fahrstunden und legten 20’261 zusätzliche Kilometer zurück.

Zivilschutz

Das Detachement bestand aus 45 dienstpflichtigen Milizangehörigen. Sie leisteten insgesamt 175 Diensttage. Dies entspricht einer Reduktion um rund 20 Prozent gegenüber der Ausgabe 2025.

Die eingesetzten Personalbestände:

  • Montag bis Donnerstag: 7 Personen
  • Freitag: 14 Personen
  • Samstag: 16 Personen
  • Sonntag: 12 Personen

Das allgemeine Mobilitätskonzept stellte seine Wirksamkeit erneut unter Beweis. Eine der wichtigsten Erkenntnisse dieser Ausgabe war die Fähigkeit, das Dispositiv täglich entsprechend den operativen Bedürfnissen neu auszurichten.

Der Abend des 16. Juli 2026 lieferte eine der wichtigsten Erfahrungen dieser Ausgabe. Heftige Gewitter führten zur Evakuierung mehrerer Festivalbereiche, zu einer Anpassung des Verkehrskonzepts und der Zugangskontrollen sowie zu einer verstärkten Unterstützung der eingesetzten Partner.

Trotz dieser Häufung von Herausforderungen blieb das Dispositiv vollständig einsatzfähig. Möglich wurde dies durch die schnelle Einsatzführung, die flexible Neuausrichtung der Personalbestände und die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen dem MJF, der Polizei, Securitas und dem Zivilschutz.

SDIS Riviera

Aus operativer Sicht wurden mehrere Einsätze verzeichnet:

  • Automatischer Alarm im Hôtel Mona
  • Technischer Einsatz wegen Brandgeruchs an der Grand-Rue
  • Automatischer Alarm im 2M2C
  • Umwelteinsatz wegen auslaufender Kühlflüssigkeit aus einem Fahrzeug vor dem Hôtel Mona

Während der Aufbauphase ereigneten sich zudem drei Einsätze, die Auswirkungen auf das Festival hätten haben können:

  • Brand eines Lieferwagens eines Mitarbeiters des Aufbauteams
  • Einsatz wegen eines chemischen Ereignisses in einem Industriegebäude
  • Umgestürzter Baum auf dem Fahrzeug eines Mitarbeiters des Aufbauteams

Sanitätsdienst

Der Sanitätsdienst der Veranstaltung bestand aus 110 Personen. Zusätzlich waren zwischen 18.00 Uhr und 06.00 Uhr zwei Rettungssanitäter auf dem Gelände präsent.

Der Dienst wurde zu 1’314 Einsätzen aufgeboten. Dies waren 190 mehr als im Jahr 2025. Die Einsätze verteilten sich wie folgt:

  • 44 Prozent kleinere Verletzungen
  • 11 Prozent Substanzmissbrauch
  • 7 Prozent hitzebedingte Beschwerden

Einige Personen wurden wegen des Verdachts auf Nadelstiche beziehungsweise GHB an das Hôpital Riviera-Chablais verwiesen. Die Ambulanzen fuhren das Hôpital Riviera-Chablais insgesamt 15-mal an.

Während des Festivals wurden keine Fälle im Zusammenhang mit dem Konsum von Ketamin oder Lachgas behandelt.

Strassenunterhalt und Grünflächen

Insgesamt wurde weniger achtlos weggeworfener Abfall festgestellt als in den vergangenen Jahren. Die Samstag- und Sonntagmorgen blieben die arbeitsintensivsten Zeiten für die Reinigung des Festivalgeländes.

Unter der Woche waren von Montag bis Donnerstag jeweils 20 Mitarbeiter des Strassenunterhalts und der Grünflächen ab 6.00 Uhr im Einsatz. Sie reinigten bis etwa 08.30 Uhr die Uferbefestigungen und den öffentlichen Raum im Bereich des Jazz Festivals. Anschliessend setzten sie ihre Arbeit in der Stadt und den umliegenden Dörfern fort.

Zur Unterstützung standen folgende Fahrzeuge zur Verfügung:

  • 6 Lieferwagen
  • 2 Kehrmaschinen
  • 2 Strassenwaschmaschinen

Am Freitag und am Wochenende begann ein Teil des Teams bereits um 5.00 Uhr mit der Arbeit. Am Wochenende waren die Mitarbeiter des SEP bis etwa 9.00 Uhr im Einsatz.

Unter der Woche wurden die öffentlichen Treppen zum Bahnhof nahezu täglich gereinigt. Die Mitarbeiter des öffentlichen Raums leisteten für die Reinigung des Festivalgeländes beinahe 1’000 Arbeitsstunden.

Abfälle

Im Vergleich zu den Jahren 2024 und 2025 lag die Gesamtmenge der auf dem Boden zurückgelassenen Abfälle tiefer.

Seit 2025 gehören Lachgasflaschen zu den neu auftretenden Abfällen. In diesem Jahr wurden 17 Flaschen gefunden. Dies entspricht einem deutlichen Rückgang gegenüber den rund 50 Flaschen des vergangenen Jahres.

Die Flaschen müssen von den übrigen Abfällen getrennt werden, da sie in den Entsorgungsstellen ein erhebliches Explosions- und Brandrisiko darstellen. Die Mitarbeiter der Entsorgungsstellen leeren und verpacken sie deshalb auf besondere Weise.

Seerettung

Die Rettungsgesellschaften der Region Montreux mussten keine Einsätze leisten.

 

Quelle: Kantonspolizei Waadt
Bildquelle: Symbolbild © Olya Solod/Shutterstock.com

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